Dienstag, 22. Mai 2007

Das ist eigentlich alles

Vor einigen Tagen sah ich mich recht unvermutet mit einem kleinen Büchlein konfrontiert, das recht lakonisch mit 'Fälle' überschrieben war. Verfasst hat es ein gewisser Daniil Charms, ein Name, der mir zunächst nichts zu sagen hatte. Ich nahm also dieses Büchlein, schlug es auf und je länger ich darin las, desto bedrückter wurde ich, und stiller, wenn man das beim Lesen überhaupt werden kann. Ein Büchlein voll kurzer Geschichten, oft noch nicht einmal dies, Kleinsttexte, starrend von menschlicher Abartigkeit und gezeichnet von einer zwischen den Zeilen stehenden tiefen Angst und Resignation. Ich merke, dass es mir schwer fällt, dieses Lesen in Worte zu fassen. Irgendwo zwischen Erschrecken, Faszination und Neugier gleite ich die Seiten entlang, verliere nach manchen Absätzen alle Worte und Gedanken, um gehetzt umzublättern und auf Verständlicheres auf der nächsten Seite zu hoffen - meist vergebens, alles bleibt im Absurden schweben und verweigert sich schnellen Erklärungsversuchen. Und dennoch, ein Büchlein, das nachdenklich und betroffen macht, das berührt und durch seine Historizität dennoch mittem im Heute steht. Geschrieben in den 30er Jahren im stalinistischen Russland, einer Zeit, in der die Angst allen Künstlern folgte wie ein Schatten. Wenig ähnelt diese Zeit unserem demokratisch-kapitalistischen Wohlfühljetzt, was einem aber begegnet und mit vertrauten Augen anschaut, ist der Abgrund, das menschliche Wesen selbst.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies als eine Buchempfehlung zu verstehen sein sollte. Möglicherweise, wenn man sich der reinen Absurdität hingibt und alles menschlich Verkommene ausblendet, ein lustiges Büchlein...?

2 Kommentare:

sph hat gesagt…

Das muss ich lesen =)

Geburtstagsschatzsuchegeschenkschenker hat gesagt…

danke fürs verlinken (: von deinem kommentar aus komme ich übrigens auch nicht auf deine seite, ein teufelskreis ist das!