Und wenn die Tage der Ferne, denen das weiche, zarte Licht des Heimleuchtens zu eigen ist, das die letzten Stufen des Weges sorgsam dem Dunkeln entblättert, wenn die Tage der Ferne gekommen sind, werde ich mich daransetzen und über die Welt schreiben, die mein Leben ist. Ich werde anfangen bei meinen frühesten Erinnerungen, den gleichsam hintersten Einmachgläsern im Keller meiner Sinne, denen Dinge innewohnen, die ich einfing als kleiner Junge. Ich werde versuchen zu erklären, was die rauschenden Wiesen und Wälder meiner Kindheit für mich waren, was die alte Ziehpumpe im elterlichen Garten, eingerahmt zwischen tiefgrünem, regennassen Frauenmantel und alten Rosenstöcken, werde auch nicht verschweigen, dass dort ein Schuppen stand, in deren oberem Holzgeschoss die Eulen des tages schliefen, die Großen, Stillen. Vielleicht werde ich eine Zeichnung anfertigen von all jenen Orten und Stellen, die mir wichtig waren damals. Ich werde die Pferdeweide einzeichnen und den Hohlweg hin zu dem kleinen See, der im Winter mit seiner Haut aus Eis zum Schlittschuhfahren einlud, auch das Baumhaus im Wald und die hohen Wiesen am Ende der Straße, die mir Grenze waren und Ende der Welt. Und auch wenn ich daran scheitern werde, die alten Düfte und Gerüche mit nüchternen Worten zu beschreiben, so werde ich es wohl dennoch versuchen, und anfangen mit dem süßlichen Geruch von frisch gemähtem Heu im Sommer, von taunassen Wiesen, eingesponnen wie mit tausend zierlichen Seidentüchern von hauchfeinen Marienfäden im Oktober, von feuchtem Laub, von Moos und Pilzen in Wäldern, die wie im Trauerkleid dem Herbst ihre regenschwarzen Stämme feilboten, dem Geruch von Einsamkeit und Stille, wenn Tropfen für Tropfen aus allen Kronen fallen, um bald darauf auf den lieblichen Geruch von Apfelblüte und Kirschblüte, duftendem Geißblatt und herber moschusschwerer Heckenrose zu sprechen zu kommen, der die weißen Sommer erfüllte und ihnen einen Zauber gab, der alle Lüfte durchwehte.
Ich werde dann weiter betrachten, was meine Wünsche und Ziele gewesen waren im Leben, und was aus ihnen geworden sein mag, das alles betrachtet aus dem letzten, dem mildesten Licht aller, und vielleicht werden sie schmal und leicht und gehen in einer einzigen Linie auf, und vielleicht werde ich an jener Stelle das Wort glücklich gebrauchen. Ich werde mich auch nicht scheuen, jene zu benennen, die mir missglückt sind im Laufe der Zeit, oder jene, die ich aus eigenem Fehler verdarb, missverstanden vielleicht von mir in jenen Tagen, die mir noch nicht ausgeleuchtet waren von jener Helle, die mir nur schon als ferner Widerschein vor meine Sinnen gerät. Ich werde vielleicht zu verstehen geben, was mich zu diesem oder jenem bewegte, warum ich Dinge unterließ oder mich an ihnen verhob, werde vielleicht auch gestehen, dass der Widerspruch immer groß war, durch alle Tage hindurch: hinauszuwandern in sternumsäumte Nächte und in Tage, die grün waren voller Mai und Juli, und hell und gleißend unter Sommerhimmeln, und dann wiederum zu verweilen in mir, in den hohen Hallen aller Herbstlichkeit und allen Winden, die von dem Ewigen und dem Kurzen, Fallenden künden, unter blassen Oktobersternen allem bloß zu lauschen und in sich des Lächelns über allem gewahr zu werden. Sicherlich wird es mich einige Überwindung kosten, dies vor mir auszubreiten in all seiner Schlichtheit, mir einzugestehen, dass das alles war, aus dem ich schöpfte und aus dem ich mich erschöpfte, dass dahinter nichts weiter im Verborgenen liegt, dass ich gleichsam hinter den letzten Gläsern die Wand erfahren muss. Und doch werde ich damit zufrieden sein, wenn ich all dies beschrieben habe und vielleicht ruhig werden und die letzten Stufen mit Sorgfalt nehmen und stiller Heiterkeit.













