Sonntag, 27. Mai 2007

Sonntagswege


Sonntage sind irgendwie anders. Nicht, dass ich besonders religiös wäre und der Sonntag mir dahingehend etwas bedeuten würde. Aber wenn man sich an einem Tag wie diesem aufs Fahrrad schwingt und durch die Stadt hinaus aufs Land fährt (ist euch im übrigen einmal aufgefallen, wie lange man eigentlich fahren muss, um wirklich komplett von Natur umgeben zu sein?), mag einem bald eine Veränderung auffallen. Zunächst kann man sie nicht wirklich zuordnen, aber dann merkt man plötzlich, was es ist: die ganze Welt ist ein klein wenig stiller als sonst, und die Gesichter, denen man begegnet, scheinen anderen Gedanken nachzuhängen als an gewöhnlichen Wochentagen. Ich mag solche Momente. Ich radle so vor mich hin, hänge meinen eigenen Gedanken nach, die sich heute vor allem um die Finnlandfahrt nächste Woche drehten, mein Blick streift über üppig grüne Wiesen und wogende Kornfelder, und ab und an fesselt mich ein Anblick, eine Szenerie so, dass ich anhalte und einige Fotos schieße. Nach einer fixen Idee vor einigen Tagen, mich bei Gelegenheit auf die Suche nach besonders interessanten Wegen zu machen und so mal wieder eine Reihe Themenfotos abzulichten, habe ich heute morgen spontan der Wettervorhersage geglaubt, nach der es bis zum Mittag trocken bleiben sollte, und bin mit dem Rad den Wegen westlich von Gievenbeck gefolgt, um in den hohen Sommerwiesen einige gute Motive zu finden. Ich bin dann glücklicherweise auch nicht komplett verloren gegangen, sondern habe nach einigen Umwegen wieder auf die mir bekannten Wege zurückgefunden und bin den größeren Regenwolken des Nachmittags gerade noch so entwischt.

Das Fazit meiner kleinen Reise: Einige interessante Motive gefunden und "mitgenommen" (siehe beigefügte Bilder), einen schönen und stillen Sonntagmorgen verbracht und auf dem Rückweg noch einige vielversprechende Wege Richtung Süden entdeckt, die ich demnächst zu erforschen gedenke. Ich fühl mich ein klein wenig wie Bilbo zu Beginn seiner Reise, und weil ichs so toll finde, kommt hier auch noch das Lied, an das ich den ganzen Morgen gedacht habe. ;-)

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.
~J.R.R. Tolkien~

So, und zum Schluss sei noch schnell gesagt, dass ich ab morgen für eine Woche nach Finnland fahre, also wohl eher nicht anzusprechen sein werde. Ich wünsche euch allen eine schöne Pfingstwoche :)

Freitag, 25. Mai 2007

Vorbereitungen II und andere gute Neuigkeiten

Neben diversen privaten Dingen, die in letzter Zeit abgelaufen sind (mehr dazu gleich), gibt es auch einige Neuigkeiten in Bezug auf meine Bergenvorbereitungen. Die Kürzeste zuerst: Die Uni in Bergen hat sich immer noch nicht gemeldet, was ich ziemlich frustrierend finde. Von Anderen habe ich aber gehört, dass das durchaus normal sei. Desweiteren wollte sich ein gewisser Norwegischlektor und Erasmuskoordinator für die norwegischen Unis an unserem Institut ans Telefon setzen und sich in Bergen direkt erkundigen, was er aber wohl immer noch nicht getan hat. So werde ich mich wohl auch weiterhin um alles selbst kümmern müssen. Immerhin sind Gerda und ich ein gutes Team und haben bis jetzt auch alles selbst gemeistert. :)

Das Haukelandsbakken Studenthjem hat sich nicht nur zurückgemeldet mit der Nachricht, dass sie tatsächlich Zimmer frei haben, sondern waren so frei, Gerda und mir direkt die Mietverträge zum Unterschreiben zuzusenden mit der Bitte, die Kaution bis zum 01. Juni zu überweisen. Dummerweise haben sie uns Inlandsüberweisungsträger mitgeschickt, mit denen wir hier nicht viel anfangen konnten, so dass nochmal Zeit dafür draufging, die IBAN und BIC-Nummern anzufordern. Mittlerweile ist das geld aber rausgegangen und dürfte rechtzeitig dort eintreffen. Ergo haben wir EIN DACH ÜBER DEM KOPF *freu*

Als nächstes war ein klärendes Gespräch mit meinem Mitbewohner (ihr erinnert euch an meinen Frustpost weiter unten? *g*) sehr erfreulich und es stellte sich heraus, dass es tatsächlich nicht als Rausschmiss gemeint und nur etwas (*g*) unsensibel formuliert war. Jedenfalls haben wir drüber geredet, was ich sehr positiv finde (ich Harmoniemensch krieg immer gleich Bauchschmerzen bei so Streitereien) und mein Entschluss, da auszuziehen im August, steht jetzt auch mehr oder weniger fest. Ich werd mir nach Norwegen einfach supernette Leute aussuchen und die dann zwingen, mit mir eine WG aufzumachen. ;)

Und nun.. *trommelwirbel* Ladies and Gentlemen, darf ich hocherfreut verkünden, dass ich die dritte Griechischklausur mit 10 Punkten bestanden habe. Hach, ich freu mich so. Dann werde ich das Graecum auch irgendwie schaffen :)))

Angespülte und die Mähr von der guten Welt

Man sieht sie selten, und wenn sie in unser Bewusstsein vordringen, sind wir geneigt, den Blick abzuwenden von ihnen, von den Gestalten, die vom Leben so gepeinigt wurden, dass sie an einem bestimmten Moment ihres Seins von allen verlassen wurden, da ihnen die Stigmata der Schwachen, der Gefallenen und vom Leben an dunkle Orte Angespülten anhaftet, das böse Zeichen all dessen, was uns signalisiert, dass diese Menschen verloren haben und irgendwann einfach nicht mehr aufgestanden sind nach ihrem Fallen, sondern liegenblieben im Dunkel jener Orte, von denen sich unsere Blicke abwenden, gleichsam, als fürchteten wir, angesteckt zu werden von jenem Gefallensein. Ich sah einen von ihnen, es war wohl bald Mitternacht, wie er mit einer Taschenlampe in die Mülleimer vor den großen Einkaufsmärkten leuchtete. Das Licht der Lampe warf fahle, zuckende Fäden in die Dunkelheit und schien nicht nur ein Suchen, sondern ebenso etwas Nervöses, Gehetztes zu zeigen, dass nicht recht zu der gebeugten Gestalt passen wollte, die mit großer Langsamkeit hie und da in die Behältnisse griff, um Flaschen oder andere Gegenstände herauszufischen.

Wie lebt einer, der gezwungen wurde, all seinen Wünsche, sämtlichem Sehnen und Verlangen zu entsagen, die ihm Kraft und Antrieb waren? Wie lebt einer, dessen stumpf gewordene Sinne allein darauf ausgerichtet sind, den Tag zu überstehen, irgendwie über die Runden zu kommen, wenigstens manchmal den harten, fordernden Schmerz eines leeren Magens zu stillen? Ich weiß nicht, mit welchem Recht wir diesen Menschen - denn immerhin sind es Menschen! - unsere Blicke verwehren, mit welchem Recht wir sie so weit ins Dunkel zurückgedrängt haben, dass wir in der Lage sind, sie die meiste Zeit über zu vergessen. Können Menschen zu Schandflecken erniedrigt werden, allein weil sie es nicht geschafft haben, das Leben zu bestehen, obwohl sie vielleicht niemals eine ehrliche Chance gehabt haben? Stellen wir uns nun die Aktionäre an einer Börse vor oder schauen uns die Wirtschaftsnachrichten an, die sich um Dividenden und Ausschüttungen, um Ökonomie und Firmenverschlankungen drehen... Mir bleibt in solchen Momenten das warum im Hals stecken.

Dienstag, 22. Mai 2007

Wer ist der Typ mit den Zetteln??

Es gibt Tage, da beschleicht mich das Gefühl, man hätte mir in einem unbedachten Moment eine Notiz auf den Rücken geklebt, auf der etwa stünde: Den Typen hier könnt ihr so richtig verarschen! oder auch: Trottel! Bitte ordentlich demütigen! So ungefähr stelle ich mir den typischen Zettel vor, der auf meinem Rücken kleben mag an solchen Tagen wie diesem. Man hat mir heute höflichst und in allerfeinster Indirektheit nahe gelegt, dass ich doch bitte ganz generell im Sommer ausziehen und nach meiner Rückkehr aus Bergen nicht wieder dort einziehen solle, schließlich wolle man nicht zwei Zwischenmieter nach einem Semester wieder auf die Straße setzen wollen, das wäre ziemlich gemein und wo käme man denn da hin? Das würde doch wohl nur dazu führen, dass die WG nicht mehr harmonieren würde, wenn dauernd Leute ein- und auszögen. Und das Letzte, was sich alle Beteiligten wünschen, wäre doch eine ZweckWG, da sei man sich sicher einig. Sicher. Was bis hierher vielleicht nach tyrannischen Hausverwaltern oder unbarmherzigen Sachbearbeitern beim Studentenwerk klingen mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als fürsorgender Mitbewohner. Und um dem Armen mal zum Klartext zu verhelfen, sei hier sein Anliegen noch einmal übersetzt: Ich kann nichts mit dir anfangen und ich will, dass du zum Sommer ausziehst. Diesem Menschen ist wohl heute der Zettel auf meinem Rücken aufgefallen, auf dem ja schließlich - wir erinnern uns - nichts anderes stand als: Bitte verarsch mich! Wer wäre ich also, wenn ich ihm daher nicht aufrichtig zu seiner Pflichterfüllung gratulieren würde? Ach ja, und eins noch: Für etwaige Tipps bezüglich der Person, die mir ebenjene Notizen anheftet, wäre ich ziemlich dankbar. Möge euch kein derartiger Zettel am Rücken hängen! ;)

Das ist eigentlich alles

Vor einigen Tagen sah ich mich recht unvermutet mit einem kleinen Büchlein konfrontiert, das recht lakonisch mit 'Fälle' überschrieben war. Verfasst hat es ein gewisser Daniil Charms, ein Name, der mir zunächst nichts zu sagen hatte. Ich nahm also dieses Büchlein, schlug es auf und je länger ich darin las, desto bedrückter wurde ich, und stiller, wenn man das beim Lesen überhaupt werden kann. Ein Büchlein voll kurzer Geschichten, oft noch nicht einmal dies, Kleinsttexte, starrend von menschlicher Abartigkeit und gezeichnet von einer zwischen den Zeilen stehenden tiefen Angst und Resignation. Ich merke, dass es mir schwer fällt, dieses Lesen in Worte zu fassen. Irgendwo zwischen Erschrecken, Faszination und Neugier gleite ich die Seiten entlang, verliere nach manchen Absätzen alle Worte und Gedanken, um gehetzt umzublättern und auf Verständlicheres auf der nächsten Seite zu hoffen - meist vergebens, alles bleibt im Absurden schweben und verweigert sich schnellen Erklärungsversuchen. Und dennoch, ein Büchlein, das nachdenklich und betroffen macht, das berührt und durch seine Historizität dennoch mittem im Heute steht. Geschrieben in den 30er Jahren im stalinistischen Russland, einer Zeit, in der die Angst allen Künstlern folgte wie ein Schatten. Wenig ähnelt diese Zeit unserem demokratisch-kapitalistischen Wohlfühljetzt, was einem aber begegnet und mit vertrauten Augen anschaut, ist der Abgrund, das menschliche Wesen selbst.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies als eine Buchempfehlung zu verstehen sein sollte. Möglicherweise, wenn man sich der reinen Absurdität hingibt und alles menschlich Verkommene ausblendet, ein lustiges Büchlein...?

Dienstag, 8. Mai 2007

Vorbereitungen I


So, damit hier nicht der Eindruck entsteht, es würde nicht vorangehen mit meinen Bergenplanungen, sei an dieser Stelle verkündet, dass der Flug zusammen mit meiner geschätzten Mitreisenden Gerda bereits gebucht ist: Am 8. August geht der Flieger von Hamburg aus nach Oslo, und von da aus irgendwann weiter nach Bergen... ich merke gerade, dass ich da noch nicht SOO den Durchblick habe... werd mich da mal schlau machen müssen.

Außerdem sind die Bewerbungen für die Universitetet i Bergen und für einen Wohnheimsplatz im Haukelandsbakken studenthjem letzte Woche rausgegangen und dürften hoffentlich noch vor Fristende in den richtigen Händen angelangt sein. Und wenn ihr snill folk seid, drückt ihr mir in nächster Zeit mal ganz feste die Daumen, damit ich da auch einen Wohnheimplatz bekomme... leichtfertigerweise (oder anders ausgedrückt: mit Nerven aus Stahl und unerbittlicher Kühnheit - ganz dem Ralf Möller seine Art ;-) habe ich nämlich einen Platz im Standardwohnheim Fantoft abgelehnt, weil das Ganze zu weit außerhalb liegt und mehr nach Eisenhüttenstadt denn nach Bergen ausschaut. Leider werde ich deswegen jetzt aber auch keinen Anspruch mehr auf einen Platz darin haben, wenn es mit Haukeland schiefgeht, so dass ich mich in dem Falle auch weiterhin selbst um eine Bleibe kümmern müsste. Aber noch bin ich guten Mutes, dass Haukeland mich nimmt :) Also nicht vergessen: Daumen drücken! und denkt immer daran: Koirakin ui!