Donnerstag, 27. September 2007

Gedanken eines Schlaflosen

Das Leben ist eine seltsame Angelegenheit. Wie kurz oder lang es für jeden Einzelnen von uns ist, lässt sich kaum je ermessen. Jeden Tag erwachen wir aufs Neue in einer uns komplett unbekannten und undurchschaubaren Welt, mit neuen unfassbar weiten Himmeln über uns, mit neuen Gerüchen und neuen Gefühlen, die uns umweben und momentelang fassbar werden wie Lichter, die fernhin aufglimmen und wieder verwehen. Jeder Tag gleicht einem neuen Leben, einer kleinen Ewigkeit voller Werden und Wieder-vergehen, die mit den ersten Sonnenstrahlen ihren Anfang nimmt und am Abend unter geschlossenen Lidern in dunkle Tiefen versinkt. Ist es nicht das, was uns vielleicht erwartet, wenn wir einmal sterben werden? Ist es nicht wie ein sanftes Entgleiten in einen langen Schlaf, ein letztes Flattern der Lider am Abend aller Sinne? Und ist denn nicht jedes Einschlafen einem stillen Tode gleich und jedes Aufwachen ein erster Atemzug in einem gleichsam neuen Leben? Einsam kommen wir auf die Welt und einsam eilen wir durch ihren Farbentaumel einem Abend entgegen, der einen neuen Morgen verspricht, und doch sind wir in all unserer Einsamkeit Teil eines wundersamen Ganzen. Manchmal glaube ich, einen kurzen Schimmer dieser Einheit zu erkennen und ich weiß nicht warum, aber in diesen Momenten fügt sich all das Unerklärliche, all das, was sich täglich um mich legt wie ein Wirbel unzähliger Einzelheiten, all das Jetzt und Gestern und Morgen, zu einer Geborgenheit zusammen, die mir alle Worte raubt. Wo der Verstand versagt, begreift das Herz, und wo das Erkennen endet, beginnt das Erahnen. Das ganze Leben ist ein großes Ahnen.

Donnerstag, 20. September 2007

Neues aus dem Walde

Wenn ich darüber nachdenke, wie ein perfekter, ein nahezu von mir selbst erdachter Wald aussehen müsste, wie er riechen müsste und sich anfühlte, wie seine stillsten Tiefen klängen an den dämmerigen Schwellen zwischen Tag und Nacht, so gerät vor alle meine Sinne ein uraltes, fest in meinen Kindheitserinnerungen verankertes Bild von Moos, von bauschigen grünen Teppichen hauchdünn gewebter Moosgespinste, die sich samtigweich über alle Erde und allen Waldboden ergießen und die Schärfe jeder noch so geringen Unebenheit in eine sanftgeschwungene Rundung verwandeln. Einen Wald wie eben diesen zu finden, ist auf eine gewisse Art und Weise ein Ding der Unmöglichkeit, so, wie das Wiederfinden von idealen Vorstellungen im wirklichen Leben nun einmal immer eine etwas banale, weil stets erfolglose Angelegenheit darstellt, und doch geriet ich vor einigen Tagen in einen Wald, der so unfassbar grün und moosig, so unfassbar still und von so unfassbar vielen kleinen Bächlein, Quellen und Wasserfällen durchzogen war, dass ich mich beinahe in meiner Fantasie gefangen glaubte, zumindest aber so weit an den Rand der Realität gelangt war, dass mich Feen oder Trolle wohl kaum mehr wirklich überrascht hätten.

Doch soll hier alles seine rechte Zeit und seinen angestammten Platz finden, so dass ich euch zunächst von der ersten unserer Wanderungen ins Grüne berichten werde, der Reise in die Wälder im Regen, die sich bekanntlich über die Hänge des Løvstakken erstrecken. Ich muss vermutlich niemandem extra erklären, dass die sog. Wälder im Regen (ein terminus pluvialis!) sehr sehr feucht und nass sind und dass es in ihrem Inneren zudem für gewöhnlich auch noch sehr beständig regnet, so dass wir uns von oben bis unten mit Regensachen umhüllten, bevor wir den patschigen Pfaden hinauf folgten.


Eine nicht ganz unwahrscheinliche Folge von Regen ist, dass Pfützen entstehen, und wenn man sich nicht nur in Bergen befindet, sondern auch noch mitten in den Wäldern im Regen steht, ist man nicht nur ein armes nasses Schwein, sondern trifft überdies auf Pfützen, die einen auf See machen. Mitten im Wald. Und zwar immer, wenn es regnet. Was es beinahe ständig tut.
Wie ihr aber sicher schon ahnt, war Volker hellauf begeistert und hat ganz viele Regen-Pfützen-Zweige-alles-nass-Bilder gemacht...


...woraufhin der Regen eine kurze Pause machte und die Sonne hinter den tropfenbehangenen Zweigen hervorlugte. Warum er das tat? Nun, wir vermuten, er tat es bloß aus dem Grund, um uns eins auszuwischen und kurze Zeit später umso heftiger weiter zu regnen. Junge, sind wir nass geworden.


Irgendwann floß dann so viel Wasser den Berg hinab, dass selbst Sabrina einsah, dass wir uns nicht auf einem Weg befanden, sondern mitten in einem Bachbett ("Oh, schaut mal, fast wie eine Straße!" - "Das ist ein Bach!") *g* Auf dem Foto zu sehen: ein nasser Volker, der trotz allem eine positive Bilanz zu ziehen weiß. Hehe, gewitzt.


Auf dem Rückweg (es regnete), kam uns vergnügt und recht eilig eine Schnecke entgegengeschleimt, der es augenscheinlich besser auf der Straße gefiel als uns. Schnell die Schnecke angehalten, geknipst, gute Fahrt gewünscht und weiterschleimen lassen.



Zum Schluss sei nur noch kurz erwähnt, wie segensreich ein Trockenraum ist, in den man sämtliche triefenden Kleidungsstücke hängen kann :)

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Als der Regen den Wald verließ und Sonnenlicht durch die Wolken brach, machten wir uns auf eine weitere Wanderung in die nahe Umgebung, diesmal in Richtung Nordosten ins Svartedikstal vorstoßend, das von einem großen künstlich gestauten See eingenommen wird. An seiner Flanke schlängelt sich in einiger Höhe ein geschotterter Weg entlang, der einen hübschen Ausblick auf die umliegenden Berge ermöglicht und dem wir für einige Zeit folgten. Er war es, der uns in die Wildnis der Berge und Täler hinaustrug, fernab von allen Geräuschen, die Stadt und Menschen tagaus tagein entweichen und uns der Stille aller Dinge entfremden.




Entlang des Weges waren die heftigen Regenfälle des Vortages noch allzu deutlich sichtbar: Steine, Felswände und Pflanzen tropften und trieften um die Wette.



Eine Welt aus Tropfen und Rinnsalen: entlang des Weges trafen wir immer wieder auf kleine sprudelnde Bäche, die wasserfallartig die steilen Berghänge zu unserer Linken herunterwirbelten, manche von ihnen bloß unscheinbare Rinnsale, die sich mit einigem Geplatsche durchs Unterholz schlugen, andere mit hübschen, in üppige Grüntöne eingefasste Steinbetten.


Bald schon gab uns das bewaldete Ufer rechterhand des Weges einen Vorgeschmack davon, was uns im Hardbakkedalen noch erwarten würde. Stellenweise dichter Nadelwald mit sonnigen Sprenkeln in dunklen Stammhallen..



..der aber bald noch einmal einem schönen Seeausblick platz machte.


Dieser Graspfad schlängelte sich an einer Stelle zum See hinab, an der eine Brücke über einen üppigen Wasserstrom führte.



Hier war nun der rechte Zeitpunkt gekommen, den relativ bequemen Weg zu verlassen und einem Pfad links in den Wald hinauf zu folgen.


Nach einigen hundert Metern erreichten wir das erste nennenswerte Hindernis: eine alte, halb zerfallene Brücke, deren Ränder von den reißenden Fluten ebenjenen Wasserstroms längst hinfort gespült worden waren. Wir erkannten, dass wir es hier mit keiner normalen Brücke zu tun hatten, sondern mit einer Trollbrücke. Hier endete also das Reich der Menschen! Wir waren gespannt, was uns jenseits der Brücke erwarten würde und überquerten sie nach einigem Zaudern (schließlich weiß man nie, wie einem die Trolle gesonnt sein würden)...


...und fanden uns von einem Schritt auf den anderen in einer anderen Welt wieder! Ein steiniger Pfad führte in das Dämmerlicht eines Waldes, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte: alles war bedeckt mit einer feingewebten Moosschicht, die so wirkte, als hätten unbekannte Wesen vor Ewigkeiten die Wälder an jener Stelle mit dichten grünen Tüchern verhangen. Zu unserer Linken rauschte in einem Dickicht eine kleine Quelle und als ihr Geräusch in unseren Ohren verklungen war, folgte nur noch Stille und eine Welt aus unzähligen Grüntönen, die sich um uns legte wie ein großer Schlaf.





Als die Sonne langsam schwächer wurde und der Abend in die Wälder kam, gelangten wir an einen besonders beeindruckenden Wasserfall mitten im Wald. In seiner Nähe fanden wir die Reste einer alten Steinbrücke, die irgendwann einmal auf die andere Seite des Stromes geführt hatte, nun aber unpassierbar war. Etwas weiter oben lugten moosüberwucherte Steinwände aus dem Zwielicht unter den Stämmen großer Fichten hervor und ließen in uns die Frage aufkommen, wer hier wohl einst gewohnt hatte.



Am Wendepunkt - es war bereits recht spät - fanden wir schließlich noch mehr zerfallene Steinruinen, jedoch ohne erklärende Hinweise. Im blassen Abendlicht sahen sie recht trutzig und gar nicht nach ziviler Besiedelung aus, wahrscheinlich waren es aber Reste alter Berghöfe, die vor Zeiten dort standen, bevor die Berghänge rund um die Stadt aufgeforstet wurden. Seltsam aber wahr: all diese Wälder, die schon seit Urzeiten hier zu sein scheinen, sind das Ergebnis enormer Aufforstungsaktionen im Zuge romantischer Vorstellungen des 19. Jahrhunderts.

Mittwoch, 19. September 2007

Ja, wer kommt denn da? - Teil 4

So, und jetzt zu den aktuellen Dingen: Seit Donnerstag ist Sabrina da! :))) ..und hat auch ziemlich gutes Wetter mitgebracht, so dass wir gleich am ersten Tag (die Gute kam um 7 Uhr morgens an *g*) durch ein wunderhübsch herbstliches Bergen flanieren konnten und es recht trivelig hatten. Und natürlich sprang der Bergenbegeisterungsfunke auch gleich auf sie über ;)

Blick in Richtung Kong Oscars gate. Da gab es nicht nur eine schicke Kirche zu sehen, die ich ablichten wollte, sondern außerdem einen gemütliches Buchantiquariat, in dem ich vor Freude fast geheult hätte, als die freundliche Dame mich darauf hinwies, dass alle Bücher in der Belletristikabteilung nur die Hälfte kosteten. Etwa eine Stunde und etliche gegenseitige Versicherungen zwischen Verkäuferin und mir, was wir doch für ein gutes Geschäft gemacht hätten, später war ich um fünf schmucke norwegische Bücher reicher. :D (Buchpreise sind hier normalerweise recht happig, wenn es sich nicht um Taschenbücher handelt)



Herbst in Bergen. Noch schleicht er auf leisen Pfoten durch die Straßen und begnügt sich damit, hier und dort einige Blätter bunt zu färben, aber es liegt in der Luft, dass er sich nicht mehr lange zurückhalten wird. Hehe, ich Poet, ich.



Blick auf das Gewässer neben Bergens Museumsviertel, dahinter große Kulisse mit Ulriken und schönem Herbsthimmel.


Und natürlich rennen einem wie immer Touristen ins Bild. Die hier war aber nett und durfte bleiben ;))


Herbstlicht wühlt in alten Blättern und verleitet Volker dazu, Bilder zu machen.

Troldhaugen

Schon ein paar Tage her, aber wir wollen ja mal chronologisch bleiben hier: Deswegen schiebe ich hier nochmal schnell den Besuch in Edvards schicker Hütte auf dem Troldhaugen ein, bevor ich zu tollen Gästen und tollen Wanderungen in den letzten Tagen komme ;)

Edvards schicke Hütte heißt in diesem Fall nicht, dass wir auf Hausparty bei Norwegern waren sondern das historische Wohnhaus (mit Museum) von Edvard Grieg (1843-1907) auf dem Troldhaugen besucht haben, einem kleinen Hügel nicht weit südlich von Bergen, der denselben Namen trägt wie das Haus, das auf ihm steht. Es besteht (welch Überraschung in Bergen *g*) komplett aus Holz und wurde von Grieg 1885 dort erbaut. Ohne jetzt viel mehr zu seinem Werk sagen zu können, als dass er wohl unter die romantischen Komponisten einzuordnen ist, folgen jetzt einfach mal ein paar Eindrücke vom Troldhaugen.

Blick auf das Haus. Weiter zu Beginn des Weges steht ein kleines Museum, wo neben einem schönen Überblick so lustige Dinge wie Griegs kleine Glücksbringer (unter anderem ein kleiner, roter Troll, dem er jeden Abend vor dem Schlafengehen eine gute Nacht wünschte) präsentiert werden. Echt süß und irgendwie lebendiger, als bloß Text und Bild auszustellen. Prädikat: nett gemacht!


Auch wenn wir Herrn Grieg heute als großes Musiktalent in Ehren halten, stieß der arme Mensch zu seinen Lebzeiten nicht nur auf Gegenliebe, und da ausgerechnet seine Nachbarn von seinem "Geklimper" nicht allzu viel hielten, musste er in einem kleinen Holzschuppen musizieren, der etwas abseits des Hauses steht. Hat er sich aber dafür sehr gemütlich eingerichtet..



...und der Ausblick ist obendrein noch sehr schön. Wen wundert es da, dass seine Musik so nett geworden ist? ;)


Unsere Truppe zum gemeinsamen Gruppenbild unten am Wasser. Glaubt es oder nicht, aber während wir dort standen und die nette Aussicht auf den See genossen, kam doch tatsächlich der alte Eddi Grieg vorbei (denkst, von wegen tot!) und posierte mit uns für ein nettes Andenkenbild. Daher von links nach rechts: Josine aus den Niederlanden, Ilona aus Südafrika, Herr Edvard Grieg* aus Bergen, Norwegen, und Andrej aus Russland. Voilà! :)



* - evtl. Ähnlichkeiten mit einer gewissen Esther aus München sind rein zufällig und nicht zu vermeiden gewesen!

Mittwoch, 12. September 2007

Die wundersame Fahrt ins Briefkastental

Es war nicht meine schlechteste Idee, an irgendeinem Tag zu irgendeiner Gelegenheit ja! gesagt zu haben, als Nadine mich fragte, ob ich Lust hätte, am Wochenende auf eine Hüttentour an den Masfjord mitzukommen. So kam es, dass ich zusammen mit 10-11 anderen Leuten (die Zahl schwankte, weil ständig Franzosen durch neue Franzosen ausgetauscht wurden *gg*) letztes Wochenende bei grauestem Regenwetter in Bergen in einen Bus stieg, diesen in Knarvik wechselte und schließlich nach gefühlten Ewigkeiten vom Busfahrer an irgendeiner hinterletzten Stelle im Kvingedal herausgelassen wurde - zu weit, wie sich dann herausstellte, so dass wir ein Stück an der Straße zurücklaufen mussten. Was danach folgte, war ein wirklich geiles Wochenende mit Lustig-sein, viel Lachen, Kochen, Trinken, fischiges Wasser probieren und bääh!-sagen, Kamin-anzünd-und-brennen-lass-Sessions, Volleyball im Wohnzimmer, Brownies backen, Rudern, Schwimmen, Rudern, Nass-sein, Verfroren-sein und viel viel Herumalbern. Kurz gesagt: Hehe, wat haben wir scheiße gemacht!

Doch lasst mich versuchen, ein wenig Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen und von vorn anzufangen. Das hier ist der Blick auf unsere Bucht, die sich zum Masfjord öffnet.


Ich glaube, unser Haus stand rechts vom Bild. Hierzu zwei Anmerkungen: 1. sind die meisten der folgenden Fotos von Nadine, da ich ab dem zweiten Tag faul wurde und meine Kamera zu jeder Gelegenheit vergaß. Danke für die tollen Bilder, Nadine :) 2. unsere Hütte war keine Hütte sondern ein recht ausgewachsenes Haus, was zur Folge hatte, dass wir nicht nur über eine moderne Küche, ein schmuckes großes Wohn- und Esszimmer, sowie diverse Schlafräume verfügten, sondern gar eine politisch völlig inkorrekte Pornobibliothek und einen etwas verwahrlosten Whirlpool besaßen - bevor jetzt Neid und Schreierei aufkommt, sei hinzugefügt, dass Tanja und ich es am Wochenende nicht fertigbrachten, letzteren nackt zu reinigen (unser Plan am ersten Abend nach ausgiebigem Bierkonsum ;) und desweiteren wohl keiner der Anwesenden die Pornos nötig hatte.. hehe, mehr sag' ich dazu jetzt nicht. Das hier war übrigens unsere tolle Küche:


Und da wir auch noch zufälligerweise jede Menge Essen dabei hatten, befanden wir uns in der glücklichen Lage, diese auch noch mehrmals täglich voller Bäuche wegen ordentlich einzusauen. Hier.. äh... tut Lisa Dinge mit unserem Essen.


Und dann gabs deilig mat und alle waren glücklich. Warme Füße und volle Bäuche nach einer langen Busfahrt :)


Eine glückliche Bestemor Nadine im Schaukelstuhl. So, die ganze Meute von Bergen bis zum Masfjord geschafft und alle untergebracht, das hätten wir!


Lisa und Fred beim Damespielen. Überlegen lächelnd demonstriert Lisa uns hier die ausgebuffte weibliche Spielweise, die da auf dem Prinzip der sogenannten Intuition aufbaut, während Fred scheinbar Bedenken über ihren letzten Zug zu haben scheint ("hey, ist das überhaupt erlaubt?"). Später habe ich Lisas Intuition dann beim Schachspielen auf die Probe gestellt, und immerhin ein überlegenes 1:1 herausgeschlagen ;) (und jaaa! endlich mal wieder Schachspielen, hatte ganz vergessen, wieviel Spaß das machen kann)


Dann folgte ein erster sehr gemütlicher Abend mit Häuschen-auf-dem-Land-Atmosphäre und einem geilem Spiel, das ich in Ermangelung des richtigen Namens jetzt einfach mal Knick-Mal nennen will. Eine Mischung aus stille Post und Montagsmaler, und in Kombination mit etwas Alkohol ungeheuer lustig. So diskriminierten wir in der folgenden Zeit Pinguine, Elche und schwedische Pärchen im Wald, fanden Dinge über Hunde und Schweine heraus, die ich hier nicht wiederholen möchte und malten allerlei Bilder von putzig bis übelst pervers. He he he..


Am nächsten Tag machten wir uns auf zu den Bootsschuppen, denn unser Haus hatte sagenhafterweise nicht nur ein Bootshaus am Fjord (salziges Seewasser, Seetang und glotzende Kühe), sondern auch noch eines an einem schönen tiefschwarzen See auf der anderen Seite der Straße. Zunächste aber zog es uns auf den Fjord und so heuerten wir eine willige Crew an, schmissen uns in regenfeste Sachen und Schwimmwesten, organisierten Angelschnüre mit lustigbunten Pepperonihaken und ließen das Boot zu Wasser. Hier während der ersten Ruderschläge, die ich zugegebenermaßen nicht soo elegant bewältigte (später mutierte ich jedoch geradezu zum Ruderprofi, fragt doch meine Muskeln, wenn ihrs nicht glaubt!).


Ein versonnener Volker blickt versonnen auf den versonnenen und vor allem verregneten Fjord hinaus und harrt des Malers, der ihn Caspar David Friedrich-mäßig verewigen möge!


Dann fiel uns anscheinend etwas von Bord. Weiß auch nicht, was ich da suche *g*


Glückliche Fischerinnen hoffen auf großen Fang. Da der große Fischansturm in unser Boot hinein jedoch ausblieb und nur der Angeber von einem Seevogel neben uns einen Fisch fing (und wieder verlor, der Depp!), kamen wir auf die glorreiche Idee, einen Fischfangsong anzustimmen und begannen - passend zum gerade aufziehenden Wind - mit Winds of change von den Scorpions, die uns die Fische ins Boot wehen sollten..


..was dann aber wohl die letzten Fische so verschreckte, dass wir schließlich ohne heimkehren mussten.


Machte aber nix, wir hatten trotzdem unseren Spaß, ne, Tanja?



"Die Crew" nach getaner Arbeit neben unserem Haus. Ja, was sind wir Helden! (das verfallene Ding hinter uns war übrigens NICHT unser Haus, sondern ein verfallenes Ding ;-)


Und was macht der Fischer auf Landgang? Drinnen Fischerklamotten abgestreift, Füße auf dem Tisch geparkt und Pufflampe angemacht. Hach, was für ein Leben!


Und dann trieb es uns abends noch einmal hinaus, den See mit dem anderen Boot erkunden. Und da kommt auch schon das Partyboot angefahren...


Den Landratten unter euch sei gesagt, dass jedem Seemann eine bestimmte Aufgabe auf dem Schiff zufällt, und so bekam ich die ehrenvolle Aufgabe, der Mast zu sein *gg*


Durch Nebel und Regen nähert sich unser Partyboot einer bewaldeten Seeecke...



...und ehe wir uns versahen, war eine jener Ideen aufgekommen, die man später vom warmen Kamin aus betrachtet als bekloppt bezeichnen würde: einer, ich weiß nicht wer, setzte uns die Flause vom Baden im arschkalten See in den Kopf. Und wie das nun einmal bei solchen bekloppten Ideen ist, kamen wir aus der Sache nicht mehr heraus. Wir legten an einem moosigen Berghang unser Schiff an, vertäuten die Taue in nassen tropfenden Wacholderbüschen, gingen an Land und begannen, uns aus unseren Regensachen herauszuschälen, während es nieselte und nieselte. Als wir schließlich alle halbnackt und verfroren über dem Wasser standen und die erschrockene Frage 'wie, jetzt ernsthaft???' mit allgemeinem Gelächter abgetan war, wagten wir uns tatsächlich in die schwarzen Fluten. Und ja: es war arschkalt. Aber saugeil. Das Ding auf Nadines Kopf ist übrigens tatsächlich eine Mütze ;-)


Danach folgte der eklige Teil, an dem wir uns nass im Regen in unsere ebenfalls nassen Sachen im Regen hineinzwängen mussten und immer noch im Regen und mit schlotternden Gliedern nach hause ruderten, wo wir uns aber dank heißer Dusche, heißen Getränken und kuscheligen Sitzgelegenheiten bald nur noch geil fühlten. Und ziemlich im Arsch. Die von fiesen Schaumstoffmatratzenbetten geplagte Tanja bekam von mir dennoch eine Massage und das Gefühl nach dem Schwimmen war im übrigen so wohltuend (ein warmes Strahlen, das den ganzen Körper von innen wärmt) wie eine finnische Sauna :))



Spät am Abend wurden wir dann noch Zeuge eines wundersamen und absolut rührenden Rituals: dem gegenseitigen Zähneputzen unter nicht mehr so ganz gemäßigtem Alkoholkonsum. Sind sie nicht niedlich? *gg*


Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen von unserem geliebten Kvingedal. Gerührt und mal wieder klitschnass vom Regen stiegen wir in den Bus, der uns in die Zivilisation zurückfuhr.


An der Bushaltestelle fiel uns auf, dass auf allen 12 Postkästen des Tals der Name Kvinge stand, was uns zu wilden Spekulationen über die inzestiziöse Lebensweise der Kvingetalbewohner verleitete. Die Theorie unseres geschätzten Mitreisenden Andy, Kvinge bedeute doch bloß Briefkasten, verwarfen wir indes schnell wieder. Schließlich wäre es schon seltsam, würde ein ganzes Tal Olav Briefkasten, Thorynn Briefkasten, Siri Briefkasten etc heißen, oder? ;-)