Im Grunde genommen wusste ich also bis zum letzten Wochenende nur sehr wenig über Oslo und das musste geändert werden! Wie glaubwürdig wäre wohl ein Frankreichliebhaber, der bei Gesprächen über Paris bloß bedauernd und hilflos den Kopf schütteln kann, oder ein Anglist, der nie durch London gestreift ist, dachte ich mir und war spontan dabei, als eine Oslofahrt angedacht wurde.
Und so stiegen wir am Freitag um kurz vor 8 Uhr in dem hübsch kleinen Bergenser Kopfbahnhof in unseren Zug und waren nicht nur verflucht müde, sondern auch noch einigermaßen neugierig auf die neuerdings teuerste Stadt der Welt (ein Attribut, dass ich im Nachhinein leider nur bestätigen kann). Die Bahnstrecke von Bergen nach Oslo und Retour gilt als eine der schönsten Strecken Europas und war wirklich atemberaubend schön. Der Zug schlängelt sich an den Hängen großer Fjorde entlang, taucht durch unzählige Tunnel tief in die Bergwelt Jotunheims ein und kämpft sich langsam in das Gebirge vor, wo er an majestätischen Bergseen vorbeigleitet, an sonnigen Tälern und fernen, schneebekränzten Gipfeln, um dann nach einer Reise wie durch einen Traum endlich wieder hinabzureisen in die lieblichen Landschaften der Fylke Buskerud, wo man Drammen passiert, das einem mit seinen breit besiedelten Flächen wie ein Tor zur Zivilisation vorkommt. Ein besonders herrlicher Aspekt einer Oktoberbahnfahrt über diese Strecke waren die flammendgelb, gold und rötlich gefärbten Wälder, die sich die steilen Berghänge hinaufzogen, die tiefblauen Hochgebirgsseen und die schneebedeckten Bergflanken und Gipfel, die mich als an Schneemangel leidendem Flachlandkind in höchste Begeisterungsstürme ausbrechen ließ, die von aufgeregtem Quieken über woooah-is-das-schööön-Murmlern bis hin zu vermehrten Rippenknuffern und Puffern in Richtung Sitznachbar reichten. Leider sind meine Fotos aus dem Zug heraus allesamt verwackelt und mit unschönen Fensterspiegelungen überdeckt, so dass ich hier nur eins poste (und das war bei weitem nicht die schönste Stelle)

Einige Stunden nach dieser Szenerie standen wir schließlich vor dem Osloer Bahnhof und nach einem kurzen Kartenstudium und dem Eintreffen unserer Vorhut Hazel (sie war schon ein Tag vorher nach Oslo gefahren) machten wir uns auf den Weg zum Anker Hostel, einer alles in allem doch recht empfehlenswerten Jugendherberge ganz in der Nähe der Innenstadt. Über die Storgata konnte man sie in weniger als einer Viertelstunde zu Fuß erreichen, was uns für den Moment vor den Osloer Nahverkehrslinien rettete und sich als recht symptomatisch für die ganze Stadt erwies: es ließ sich beinahe alles in Oslo in einer Viertelstunde erlaufen, eine Tatsache, die Oslo ein wenig kleiner erscheinen ließ, als es eigentlich war.
Im Hostel selbst lief alles nach Plan und so sahen wir uns bald in der Lage, der Hiphop-Musik an der Empfangstheke hinaus in die unglaublich sonnige und blauhimmelige Stadt zu entkommen. Die nächsten Bilder zeigen einen Teil unserer Gruppe beim intensiven Kartenstudium. Anschließend haben wir uns Pimp-my-hair-mäßig an die Osloer Frisurenwelt angepasst, damit uns geschickterweise alle für Osloer Ureinwohner halten ;-)


Die nächsten Bilder sind entlang der Karl Johans Gate entstanden, der zentralen Prachtstraße in Oslo, entlang der man nicht bloß die teuersten Läden findet, sondern an ihrem Ende auch allerhand Kulturelles herumsteht..

..wie etwa das Stortinget, das norwegische Parlament (frei übersetzt: das große Ding hehe)..

..bunte Herbstbäume zwischen Universitätsgebäuden..

..und schließlich am Ende der Straße der königliche Palast, in dem König weiß-wer residiert. Weit schöner als die protzigen Zeichen einstiger Monarchieträume fand ich allerdings die alten Bäume zu seiner Linken, die im Licht der untergehenden Spätnachmittagssonne wirkten, als hätte jemand ein Stück norwegischen Herbstwald aus den wilden Tälern des Setesdalen hierher nach Oslo verpflanzt.


Wir in der Sonne, ganz in der Nähe des Palastes. Vielleicht trug das besondere Herbstlicht dazu bei, aber wir fühlten uns seltsam entspannt und glücklich und jeder strahlte vor sich hin. Dazu kann jetzt schon erwähnt werden, dass wir einfach das wunderbarste Wetter überhaupt hatten, um eine Stadt zu besichtigen und ich glaube, dass ich niemals einen schöneren goldenen Oktober erlebt habe als in Oslo (was sich als erheblichen Bonus für selbige herausstellte)

Da es noch einigermaßen sonnig draußen war, entschlossen wir uns, den nahe gelegenen Frognerpark zu besuchen, in dessen Herzteil der norwegische Künstler Gustav Vigeland einen Skulpturenpark gestaltet hat. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich im atemberaubenden rosigen Abendlicht herausstellen sollte.

Eine der Bronzeskulpturen Vigelands, die zu Dutzenden die Eingangsbrücke zum Park säumen.

Wie auf dieser Aufnahme deutlich wird, thematisierte Vigeland nicht bloß den Menschen in seiner Natürlichkeit, als kommunizierendes und interagierendes Wesen, sondern hob auch ganz besonders Probleme der modernen Gesellschaft hervor, wie hier beispielsweise die schwindelerregend hohe Geburtenrate und die sogenannte norwegische Kinderschwemme. Ganz klar wird aus den hilflosen Gesten des Erwachsenen die ganze Ohmacht der Gesellschaft ersichtlich, die, an den Rand gedrängt, einfach nicht mehr genügend Zeit für die essentiellen Aufgaben des Lebens - stellvertretend seien hier nur einmal Partys und Urlaub auf Mallorca erwähnt - hat und sich mit Kindererziehung konfrontiert sieht. Dramatisch!



Um Nacktheit und Natürlichkeit (=Geschlechtsteile!) kommt man hier nicht herum: Eingang zum zentralen Schrein aller Naturalisten und FKK-Fans. Zahlreiche Kinder zeigten sich indes interessiert.

Zwei alte Männer, sinnierend über das Leben und zu teures Essen in Oslo im milden Licht eines Oktoberabends.

Der Mittelpunkt aller Nacktheit: der orgy-stick (treffende Bezeichnung von Briana und gefeiertes Wort des Wochenendes) :)

Ja, was tuscheln die denn da?? Mädchenrunde im Vigelandsparken.

Blick am Babyhaufen vorbei über die Längsachse des Frognerparken. Im Hindergrund die Gebäude der Innenstadt, mitsamt einer Kirche, von der ich keine Ahnung hab, wie sie heißt, was sie dort tut oder wie sie da hingekommen ist.

Im letzten Licht des Abend wünschten wir den Figuren eine gute Nacht und machten uns auf den Rückweg, wo wir ziemlich schnell in unsere Betten fielen.

Der nächste Tag began mit einem zünftigen Frühstück bei seven-eleven, Calzone mit Mozzarella und eine Pepsi, aus der Hand genossen auf einigen Parkbänken in der Nähe der Karl Johans Gate. Mjammi! Nur der Preis war nicht so mjammi!

Addicted to coffee! Wir trinken uns wach mit Kaffee an einem schönen Osloer Sonnentag.

Wenn ich an Oslo zurückdenke, denke ich vor allem an eines: an wunderschöne Herbsttage. All die bunten Blätter und das über die Stadt hereinflutende Licht, als hätte irgendwer einfach einen großen Eimer Sonne über Oslo ausgekippt, all das wird in meinen Erinnerungen hängen bleiben und Oslo so zu einem Inbegriff für meine absolute Lieblingsjahreszeit machen.


Der Weg in die Hafenfeste Akershus. Gehört natürlich zum Standardprogramm und da wir alle so furchtbar durchschnittlich sind, fand man uns so am Samstagmorgen in selbiger.

Der Weg durchs Eingangstor führte uns in einen großen und sehr hübschen Innenhof, in dem allerlei lustige Dinge herumstanden...

..wie etwa eine Kanone, oder eine putzige Touristenwache, die ein wenig wie eine Imitation der Buckingham Palace Guards ausschaute und bereits so von asiatischen Touristen gepeingt wurde (und von gewissen Mitgliedern unserer Gruppe *ahem*), dass ich darauf verzichtete, den armen Menschen abzulichten und ihm stattdessen mitleidig zulächelte. Davon hatte er zwar auch nichts, aber es ist doch immer wieder wichtig, seine Empathiefähigkeiten an wildfremden Menschen auszutesten.. oder so.



Wie ihr merkt, halte ich mich von nun an gnadenlos zurück und kommentiere nicht mehr jedes Bild, auf dem mindestens zwei gelbe Blätter zu sehen sind, mit überschwenglichen Lobpreisungen auf den Herbst. Und ja, es fällt mir schwer! ;)

Hinter diesem Tor fand ich ein Stück Norwegen, das ich nie mehr vergessen will. Keine Worte über gelbe Blätter und blauen Himmel mit Herbstlicht, versprochen! Seht einfach selbst. Wer mich kennt, der kann sich in etwa vorstellen, wie glücklich ich in diesem Moment war :)





Wir in Oslo :)

Hübsches Dings am Rande des Fenstungsplatzes. Was war das noch gleich?

Hübsches Dings, h***lich dekoriert mit b***ten Bl***rn ;)

Am Rückweg unterhalb der Festungsmauern. Wilder Wein wächst die Felsen hoch und sieht einfach sehr sehr rot aus.

Düster ragt das Osloer Rathaus (wahrlich kein architektonisches Juwel) in den Nachmittagshimmel. So hässlich es aber von außen an Eisenhüttenstadt erinnern mag..

..so beeindruckend ist es von innen. Nicht nur die Haupthalle ist sehenswert, auch die Räume im ersten Stock. Die meisten Räume sind über und über mit flächigen Malereien bemalt, Szenen, die von surrealen Orten bis hin zu idyllischen norwegischen Landszenen reichen, alle mit leicht romantischem, märchenhaftem Touch und im dämmerigen Halblicht der Räume sehr sehr sehenswert. Hier nur zwei Beispiele. Man erkennt die Motive besser, wenn man sich die Bilder in Originalgröße anschaut.



Die Königsfamilie beim gesitteten Abendessen im Burger King an der Karl Johans Gate. Monarchen wie du und ich, Könige zum Anfassen, mit dem Budget und Geschmack des kleinen Mannes auf der Straße ;)

Osloer Nachtleben. Wir stürzten uns hinein - nun ja, vielleicht stürzten wir nicht gerade, aber wir fanden einen urgemütlichen englischen Pub und wagten ein Bier. Es war illedyrt, schmeckte aber fein. Hätte jemand von uns am nächsten Morgen Kopfschmerzen gehabt, es wäre garantiert der Preis gewesen und nicht der Alkohol. Später streunten wir am Hafen herum, setzten uns in den Schoß von Papa Roosevelt und beschlossen anschließend, die coolste Bar von ganz Oslo zu besuchen: die Radisson-Bar, gelegen im 20irgendwas Stock des Radisson Hotels und somit oberhalb von ganz Oslo mit bärenstarkem Blick auf die Lichter der Stadt hinab. Hatte mich die Fahrstuhlfahrt hinauf schon geschockt (eine Seite komplett verglast und somit sehr sehr durchsichtig!), so gab mir der Bierpreis oben beinahe den Rest. Tapfer kramte ich dennoch etwa 8 € heraus und bestellte mir ein irisches Caffey-Bier, was ganz lecker war, den Preis jedoch in absolut keinster Weise rechtfertigte. So aber saßen wir in teuren Ledersofas, fotografierten Oslo bei Nacht und fühlten uns für eine Stunde wie die Snobs von Frankreich :) Hier der Blick hinaus, diesmal gefielen mir die Reflexionen ziemlich gut. Hat was, finde ich *g*


An dieser Stelle beende ich mal den ersten Teil des Berichts. Vielleicht schiebe ich den zweiten die Tage noch hinterher, worin wir Wikingerschiffe sahen, und Papyrusflöße, ein norwegisches Freiluftmuseum besuchten, Volker in ganz viel gelbem Herbstlaub herumwühlte und alle doch sehr sehr glücklich waren. Mehr vielleicht demnächst :-)
5 Kommentare:
Hübsche Fotos, aber hast du nicht noch ein wenig mehr Fotos mit Bäumen und Blättern drauf...? ;D
Hihi, ne, sind wirklich schöne Bilder geworden! Und wenn ich demnächst nochmal in Oslo sein sollte (was ja sein muss, da ich einige Museen noch sehen muss) und du zuuufällig dabei bist, dann zeige ich dir mal einen urgemütlichen Pub, in dem das Bier nur 35 Kronen kostet. :o) Dann kann ich auch mal was zeigen, juhu!
*seufz* Ich, das unverstandene Genie! möhöhö.. :D
Groetjes vom Niederlandisten, der ganz viel von seiner Hauptstadt erzählen kann!
ja und was is nu mit teil zwei?
hm? hm? hm?
will doch tolle oslofotos sehen und oslogeschichten hören, mensch!
So, jetzt "die" aus Trondheim (neuerdings mit bisschen Schnee):
Ach schöööööön! Aber selbst wenn es dem "furchtbar durchschnittlichen unverstandenen Monarchen wie [sic!]du und [sic!]ich" nicht gefallen hätte: Es soll auch Germanisten geben, die Berlin doof finden.
ICH WILL AUCH NACH OSLO!!!
Außerdem kann ich mal ganz prollig sagen, dass ich bereits an meinem ersten Abend hier Bier für 54NOK genießen durfte (glaub ich). Und Fotos von b*** B*** im H*** sind ja mal voll geil, da können ruhig noch mehr kommen. Bin froh, dass ich neulich so viele gemacht hab, denn jetzt ist hier das meiste kahl und das Wetter grad grau.
Grüßis nach down under (((:
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