Donnerstag, 20. September 2007

Neues aus dem Walde

Wenn ich darüber nachdenke, wie ein perfekter, ein nahezu von mir selbst erdachter Wald aussehen müsste, wie er riechen müsste und sich anfühlte, wie seine stillsten Tiefen klängen an den dämmerigen Schwellen zwischen Tag und Nacht, so gerät vor alle meine Sinne ein uraltes, fest in meinen Kindheitserinnerungen verankertes Bild von Moos, von bauschigen grünen Teppichen hauchdünn gewebter Moosgespinste, die sich samtigweich über alle Erde und allen Waldboden ergießen und die Schärfe jeder noch so geringen Unebenheit in eine sanftgeschwungene Rundung verwandeln. Einen Wald wie eben diesen zu finden, ist auf eine gewisse Art und Weise ein Ding der Unmöglichkeit, so, wie das Wiederfinden von idealen Vorstellungen im wirklichen Leben nun einmal immer eine etwas banale, weil stets erfolglose Angelegenheit darstellt, und doch geriet ich vor einigen Tagen in einen Wald, der so unfassbar grün und moosig, so unfassbar still und von so unfassbar vielen kleinen Bächlein, Quellen und Wasserfällen durchzogen war, dass ich mich beinahe in meiner Fantasie gefangen glaubte, zumindest aber so weit an den Rand der Realität gelangt war, dass mich Feen oder Trolle wohl kaum mehr wirklich überrascht hätten.

Doch soll hier alles seine rechte Zeit und seinen angestammten Platz finden, so dass ich euch zunächst von der ersten unserer Wanderungen ins Grüne berichten werde, der Reise in die Wälder im Regen, die sich bekanntlich über die Hänge des Løvstakken erstrecken. Ich muss vermutlich niemandem extra erklären, dass die sog. Wälder im Regen (ein terminus pluvialis!) sehr sehr feucht und nass sind und dass es in ihrem Inneren zudem für gewöhnlich auch noch sehr beständig regnet, so dass wir uns von oben bis unten mit Regensachen umhüllten, bevor wir den patschigen Pfaden hinauf folgten.


Eine nicht ganz unwahrscheinliche Folge von Regen ist, dass Pfützen entstehen, und wenn man sich nicht nur in Bergen befindet, sondern auch noch mitten in den Wäldern im Regen steht, ist man nicht nur ein armes nasses Schwein, sondern trifft überdies auf Pfützen, die einen auf See machen. Mitten im Wald. Und zwar immer, wenn es regnet. Was es beinahe ständig tut.
Wie ihr aber sicher schon ahnt, war Volker hellauf begeistert und hat ganz viele Regen-Pfützen-Zweige-alles-nass-Bilder gemacht...


...woraufhin der Regen eine kurze Pause machte und die Sonne hinter den tropfenbehangenen Zweigen hervorlugte. Warum er das tat? Nun, wir vermuten, er tat es bloß aus dem Grund, um uns eins auszuwischen und kurze Zeit später umso heftiger weiter zu regnen. Junge, sind wir nass geworden.


Irgendwann floß dann so viel Wasser den Berg hinab, dass selbst Sabrina einsah, dass wir uns nicht auf einem Weg befanden, sondern mitten in einem Bachbett ("Oh, schaut mal, fast wie eine Straße!" - "Das ist ein Bach!") *g* Auf dem Foto zu sehen: ein nasser Volker, der trotz allem eine positive Bilanz zu ziehen weiß. Hehe, gewitzt.


Auf dem Rückweg (es regnete), kam uns vergnügt und recht eilig eine Schnecke entgegengeschleimt, der es augenscheinlich besser auf der Straße gefiel als uns. Schnell die Schnecke angehalten, geknipst, gute Fahrt gewünscht und weiterschleimen lassen.



Zum Schluss sei nur noch kurz erwähnt, wie segensreich ein Trockenraum ist, in den man sämtliche triefenden Kleidungsstücke hängen kann :)

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Als der Regen den Wald verließ und Sonnenlicht durch die Wolken brach, machten wir uns auf eine weitere Wanderung in die nahe Umgebung, diesmal in Richtung Nordosten ins Svartedikstal vorstoßend, das von einem großen künstlich gestauten See eingenommen wird. An seiner Flanke schlängelt sich in einiger Höhe ein geschotterter Weg entlang, der einen hübschen Ausblick auf die umliegenden Berge ermöglicht und dem wir für einige Zeit folgten. Er war es, der uns in die Wildnis der Berge und Täler hinaustrug, fernab von allen Geräuschen, die Stadt und Menschen tagaus tagein entweichen und uns der Stille aller Dinge entfremden.




Entlang des Weges waren die heftigen Regenfälle des Vortages noch allzu deutlich sichtbar: Steine, Felswände und Pflanzen tropften und trieften um die Wette.



Eine Welt aus Tropfen und Rinnsalen: entlang des Weges trafen wir immer wieder auf kleine sprudelnde Bäche, die wasserfallartig die steilen Berghänge zu unserer Linken herunterwirbelten, manche von ihnen bloß unscheinbare Rinnsale, die sich mit einigem Geplatsche durchs Unterholz schlugen, andere mit hübschen, in üppige Grüntöne eingefasste Steinbetten.


Bald schon gab uns das bewaldete Ufer rechterhand des Weges einen Vorgeschmack davon, was uns im Hardbakkedalen noch erwarten würde. Stellenweise dichter Nadelwald mit sonnigen Sprenkeln in dunklen Stammhallen..



..der aber bald noch einmal einem schönen Seeausblick platz machte.


Dieser Graspfad schlängelte sich an einer Stelle zum See hinab, an der eine Brücke über einen üppigen Wasserstrom führte.



Hier war nun der rechte Zeitpunkt gekommen, den relativ bequemen Weg zu verlassen und einem Pfad links in den Wald hinauf zu folgen.


Nach einigen hundert Metern erreichten wir das erste nennenswerte Hindernis: eine alte, halb zerfallene Brücke, deren Ränder von den reißenden Fluten ebenjenen Wasserstroms längst hinfort gespült worden waren. Wir erkannten, dass wir es hier mit keiner normalen Brücke zu tun hatten, sondern mit einer Trollbrücke. Hier endete also das Reich der Menschen! Wir waren gespannt, was uns jenseits der Brücke erwarten würde und überquerten sie nach einigem Zaudern (schließlich weiß man nie, wie einem die Trolle gesonnt sein würden)...


...und fanden uns von einem Schritt auf den anderen in einer anderen Welt wieder! Ein steiniger Pfad führte in das Dämmerlicht eines Waldes, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte: alles war bedeckt mit einer feingewebten Moosschicht, die so wirkte, als hätten unbekannte Wesen vor Ewigkeiten die Wälder an jener Stelle mit dichten grünen Tüchern verhangen. Zu unserer Linken rauschte in einem Dickicht eine kleine Quelle und als ihr Geräusch in unseren Ohren verklungen war, folgte nur noch Stille und eine Welt aus unzähligen Grüntönen, die sich um uns legte wie ein großer Schlaf.





Als die Sonne langsam schwächer wurde und der Abend in die Wälder kam, gelangten wir an einen besonders beeindruckenden Wasserfall mitten im Wald. In seiner Nähe fanden wir die Reste einer alten Steinbrücke, die irgendwann einmal auf die andere Seite des Stromes geführt hatte, nun aber unpassierbar war. Etwas weiter oben lugten moosüberwucherte Steinwände aus dem Zwielicht unter den Stämmen großer Fichten hervor und ließen in uns die Frage aufkommen, wer hier wohl einst gewohnt hatte.



Am Wendepunkt - es war bereits recht spät - fanden wir schließlich noch mehr zerfallene Steinruinen, jedoch ohne erklärende Hinweise. Im blassen Abendlicht sahen sie recht trutzig und gar nicht nach ziviler Besiedelung aus, wahrscheinlich waren es aber Reste alter Berghöfe, die vor Zeiten dort standen, bevor die Berghänge rund um die Stadt aufgeforstet wurden. Seltsam aber wahr: all diese Wälder, die schon seit Urzeiten hier zu sein scheinen, sind das Ergebnis enormer Aufforstungsaktionen im Zuge romantischer Vorstellungen des 19. Jahrhunderts.

2 Kommentare:

Geburtstagsschatzsuchegeschenkschenker hat gesagt…

Ich sach da nur "Trockenschrank"... d-:

Anonym hat gesagt…

Huch, man bemerkt ja gar nicht, dass du den Beitrag verlängert hast, wenn man einfach nur deine Seite aufruft. Trickreich! :o)
Wenn ich an den Wald denke, denke ich vor allem an die Trollbrücke und den vielen, vielen Klee... Nicht nur beeindruckend, sondern außerdem noch sehr lecker! Das war schön.