Donnerstag, 27. September 2007

Gedanken eines Schlaflosen

Das Leben ist eine seltsame Angelegenheit. Wie kurz oder lang es für jeden Einzelnen von uns ist, lässt sich kaum je ermessen. Jeden Tag erwachen wir aufs Neue in einer uns komplett unbekannten und undurchschaubaren Welt, mit neuen unfassbar weiten Himmeln über uns, mit neuen Gerüchen und neuen Gefühlen, die uns umweben und momentelang fassbar werden wie Lichter, die fernhin aufglimmen und wieder verwehen. Jeder Tag gleicht einem neuen Leben, einer kleinen Ewigkeit voller Werden und Wieder-vergehen, die mit den ersten Sonnenstrahlen ihren Anfang nimmt und am Abend unter geschlossenen Lidern in dunkle Tiefen versinkt. Ist es nicht das, was uns vielleicht erwartet, wenn wir einmal sterben werden? Ist es nicht wie ein sanftes Entgleiten in einen langen Schlaf, ein letztes Flattern der Lider am Abend aller Sinne? Und ist denn nicht jedes Einschlafen einem stillen Tode gleich und jedes Aufwachen ein erster Atemzug in einem gleichsam neuen Leben? Einsam kommen wir auf die Welt und einsam eilen wir durch ihren Farbentaumel einem Abend entgegen, der einen neuen Morgen verspricht, und doch sind wir in all unserer Einsamkeit Teil eines wundersamen Ganzen. Manchmal glaube ich, einen kurzen Schimmer dieser Einheit zu erkennen und ich weiß nicht warum, aber in diesen Momenten fügt sich all das Unerklärliche, all das, was sich täglich um mich legt wie ein Wirbel unzähliger Einzelheiten, all das Jetzt und Gestern und Morgen, zu einer Geborgenheit zusammen, die mir alle Worte raubt. Wo der Verstand versagt, begreift das Herz, und wo das Erkennen endet, beginnt das Erahnen. Das ganze Leben ist ein großes Ahnen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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