Mittwoch, 12. September 2007

Die wundersame Fahrt ins Briefkastental

Es war nicht meine schlechteste Idee, an irgendeinem Tag zu irgendeiner Gelegenheit ja! gesagt zu haben, als Nadine mich fragte, ob ich Lust hätte, am Wochenende auf eine Hüttentour an den Masfjord mitzukommen. So kam es, dass ich zusammen mit 10-11 anderen Leuten (die Zahl schwankte, weil ständig Franzosen durch neue Franzosen ausgetauscht wurden *gg*) letztes Wochenende bei grauestem Regenwetter in Bergen in einen Bus stieg, diesen in Knarvik wechselte und schließlich nach gefühlten Ewigkeiten vom Busfahrer an irgendeiner hinterletzten Stelle im Kvingedal herausgelassen wurde - zu weit, wie sich dann herausstellte, so dass wir ein Stück an der Straße zurücklaufen mussten. Was danach folgte, war ein wirklich geiles Wochenende mit Lustig-sein, viel Lachen, Kochen, Trinken, fischiges Wasser probieren und bääh!-sagen, Kamin-anzünd-und-brennen-lass-Sessions, Volleyball im Wohnzimmer, Brownies backen, Rudern, Schwimmen, Rudern, Nass-sein, Verfroren-sein und viel viel Herumalbern. Kurz gesagt: Hehe, wat haben wir scheiße gemacht!

Doch lasst mich versuchen, ein wenig Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen und von vorn anzufangen. Das hier ist der Blick auf unsere Bucht, die sich zum Masfjord öffnet.


Ich glaube, unser Haus stand rechts vom Bild. Hierzu zwei Anmerkungen: 1. sind die meisten der folgenden Fotos von Nadine, da ich ab dem zweiten Tag faul wurde und meine Kamera zu jeder Gelegenheit vergaß. Danke für die tollen Bilder, Nadine :) 2. unsere Hütte war keine Hütte sondern ein recht ausgewachsenes Haus, was zur Folge hatte, dass wir nicht nur über eine moderne Küche, ein schmuckes großes Wohn- und Esszimmer, sowie diverse Schlafräume verfügten, sondern gar eine politisch völlig inkorrekte Pornobibliothek und einen etwas verwahrlosten Whirlpool besaßen - bevor jetzt Neid und Schreierei aufkommt, sei hinzugefügt, dass Tanja und ich es am Wochenende nicht fertigbrachten, letzteren nackt zu reinigen (unser Plan am ersten Abend nach ausgiebigem Bierkonsum ;) und desweiteren wohl keiner der Anwesenden die Pornos nötig hatte.. hehe, mehr sag' ich dazu jetzt nicht. Das hier war übrigens unsere tolle Küche:


Und da wir auch noch zufälligerweise jede Menge Essen dabei hatten, befanden wir uns in der glücklichen Lage, diese auch noch mehrmals täglich voller Bäuche wegen ordentlich einzusauen. Hier.. äh... tut Lisa Dinge mit unserem Essen.


Und dann gabs deilig mat und alle waren glücklich. Warme Füße und volle Bäuche nach einer langen Busfahrt :)


Eine glückliche Bestemor Nadine im Schaukelstuhl. So, die ganze Meute von Bergen bis zum Masfjord geschafft und alle untergebracht, das hätten wir!


Lisa und Fred beim Damespielen. Überlegen lächelnd demonstriert Lisa uns hier die ausgebuffte weibliche Spielweise, die da auf dem Prinzip der sogenannten Intuition aufbaut, während Fred scheinbar Bedenken über ihren letzten Zug zu haben scheint ("hey, ist das überhaupt erlaubt?"). Später habe ich Lisas Intuition dann beim Schachspielen auf die Probe gestellt, und immerhin ein überlegenes 1:1 herausgeschlagen ;) (und jaaa! endlich mal wieder Schachspielen, hatte ganz vergessen, wieviel Spaß das machen kann)


Dann folgte ein erster sehr gemütlicher Abend mit Häuschen-auf-dem-Land-Atmosphäre und einem geilem Spiel, das ich in Ermangelung des richtigen Namens jetzt einfach mal Knick-Mal nennen will. Eine Mischung aus stille Post und Montagsmaler, und in Kombination mit etwas Alkohol ungeheuer lustig. So diskriminierten wir in der folgenden Zeit Pinguine, Elche und schwedische Pärchen im Wald, fanden Dinge über Hunde und Schweine heraus, die ich hier nicht wiederholen möchte und malten allerlei Bilder von putzig bis übelst pervers. He he he..


Am nächsten Tag machten wir uns auf zu den Bootsschuppen, denn unser Haus hatte sagenhafterweise nicht nur ein Bootshaus am Fjord (salziges Seewasser, Seetang und glotzende Kühe), sondern auch noch eines an einem schönen tiefschwarzen See auf der anderen Seite der Straße. Zunächste aber zog es uns auf den Fjord und so heuerten wir eine willige Crew an, schmissen uns in regenfeste Sachen und Schwimmwesten, organisierten Angelschnüre mit lustigbunten Pepperonihaken und ließen das Boot zu Wasser. Hier während der ersten Ruderschläge, die ich zugegebenermaßen nicht soo elegant bewältigte (später mutierte ich jedoch geradezu zum Ruderprofi, fragt doch meine Muskeln, wenn ihrs nicht glaubt!).


Ein versonnener Volker blickt versonnen auf den versonnenen und vor allem verregneten Fjord hinaus und harrt des Malers, der ihn Caspar David Friedrich-mäßig verewigen möge!


Dann fiel uns anscheinend etwas von Bord. Weiß auch nicht, was ich da suche *g*


Glückliche Fischerinnen hoffen auf großen Fang. Da der große Fischansturm in unser Boot hinein jedoch ausblieb und nur der Angeber von einem Seevogel neben uns einen Fisch fing (und wieder verlor, der Depp!), kamen wir auf die glorreiche Idee, einen Fischfangsong anzustimmen und begannen - passend zum gerade aufziehenden Wind - mit Winds of change von den Scorpions, die uns die Fische ins Boot wehen sollten..


..was dann aber wohl die letzten Fische so verschreckte, dass wir schließlich ohne heimkehren mussten.


Machte aber nix, wir hatten trotzdem unseren Spaß, ne, Tanja?



"Die Crew" nach getaner Arbeit neben unserem Haus. Ja, was sind wir Helden! (das verfallene Ding hinter uns war übrigens NICHT unser Haus, sondern ein verfallenes Ding ;-)


Und was macht der Fischer auf Landgang? Drinnen Fischerklamotten abgestreift, Füße auf dem Tisch geparkt und Pufflampe angemacht. Hach, was für ein Leben!


Und dann trieb es uns abends noch einmal hinaus, den See mit dem anderen Boot erkunden. Und da kommt auch schon das Partyboot angefahren...


Den Landratten unter euch sei gesagt, dass jedem Seemann eine bestimmte Aufgabe auf dem Schiff zufällt, und so bekam ich die ehrenvolle Aufgabe, der Mast zu sein *gg*


Durch Nebel und Regen nähert sich unser Partyboot einer bewaldeten Seeecke...



...und ehe wir uns versahen, war eine jener Ideen aufgekommen, die man später vom warmen Kamin aus betrachtet als bekloppt bezeichnen würde: einer, ich weiß nicht wer, setzte uns die Flause vom Baden im arschkalten See in den Kopf. Und wie das nun einmal bei solchen bekloppten Ideen ist, kamen wir aus der Sache nicht mehr heraus. Wir legten an einem moosigen Berghang unser Schiff an, vertäuten die Taue in nassen tropfenden Wacholderbüschen, gingen an Land und begannen, uns aus unseren Regensachen herauszuschälen, während es nieselte und nieselte. Als wir schließlich alle halbnackt und verfroren über dem Wasser standen und die erschrockene Frage 'wie, jetzt ernsthaft???' mit allgemeinem Gelächter abgetan war, wagten wir uns tatsächlich in die schwarzen Fluten. Und ja: es war arschkalt. Aber saugeil. Das Ding auf Nadines Kopf ist übrigens tatsächlich eine Mütze ;-)


Danach folgte der eklige Teil, an dem wir uns nass im Regen in unsere ebenfalls nassen Sachen im Regen hineinzwängen mussten und immer noch im Regen und mit schlotternden Gliedern nach hause ruderten, wo wir uns aber dank heißer Dusche, heißen Getränken und kuscheligen Sitzgelegenheiten bald nur noch geil fühlten. Und ziemlich im Arsch. Die von fiesen Schaumstoffmatratzenbetten geplagte Tanja bekam von mir dennoch eine Massage und das Gefühl nach dem Schwimmen war im übrigen so wohltuend (ein warmes Strahlen, das den ganzen Körper von innen wärmt) wie eine finnische Sauna :))



Spät am Abend wurden wir dann noch Zeuge eines wundersamen und absolut rührenden Rituals: dem gegenseitigen Zähneputzen unter nicht mehr so ganz gemäßigtem Alkoholkonsum. Sind sie nicht niedlich? *gg*


Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen von unserem geliebten Kvingedal. Gerührt und mal wieder klitschnass vom Regen stiegen wir in den Bus, der uns in die Zivilisation zurückfuhr.


An der Bushaltestelle fiel uns auf, dass auf allen 12 Postkästen des Tals der Name Kvinge stand, was uns zu wilden Spekulationen über die inzestiziöse Lebensweise der Kvingetalbewohner verleitete. Die Theorie unseres geschätzten Mitreisenden Andy, Kvinge bedeute doch bloß Briefkasten, verwarfen wir indes schnell wieder. Schließlich wäre es schon seltsam, würde ein ganzes Tal Olav Briefkasten, Thorynn Briefkasten, Siri Briefkasten etc heißen, oder? ;-)

3 Kommentare:

Geburtstagsschatzsuchegeschenkschenker hat gesagt…

HEISSE DUSCHE?????? Du willst das nicht wirklich Hüttentour nennen oder? Unsereins kommt aus der Begeisterung nicht raus wenn die Unterkunft ausnahmsweise ein Herzhäuschen im matschigen Wald hat und ihr DUSCHT?! Ähem...

Anonym hat gesagt…

he he he :P

Zwerg hat gesagt…

ja, geil wars, volker. wir du hannebambel und ich dabbes ham schon das beste aus dem Tiffie-WE gemacht, was ging. Achja, ich hasse kotzende Pärchen, da muss ich immer knutschen.