Eine der vielen faszinierenden Seiten an Bergen ist die, dass man mit dem Aufstieg auf einen der umliegenden Berge mitten in der Stadt beginnt. Straßen ziehen sich immer höher die Hänge hinauf und offenbaren so manches schöne alte Stadtviertel, in dem urigen norwegischen Holzhäuser zu bewundern sind.

Nur zögerlich scheint die Stadt einen frei zu geben, so lange läuft man, bis die letzten Häuser zurückweichen und man dem Wald übergeben wird.

Ein letzter Blick zurück durch die Bäume. Stadt und Menschen scheinen Ewigkeiten entfernt zu liegen, vor uns öffnet sich ein leise rauschender Wald, in dem ich hier und da schon einige Wesen erahne, die nicht von menschlicher Art sind.

Über überwachsene Stiegen folgen wir dem Pfad hinauf...

...durch einen schon herbstlich anmutenden Wald.


Und dann war es auch schon soweit: ich glaube, im Unterholz eine schemenhafte Gestalt auszumachen. Ob es wohl ein Troll ist? Mein Herz schlägt schneller, als ich versuche, so leise wie möglich den Pfad zu verlassen und mich in Richtung der Gestalt zu bewegen.

Und tatsächlich! Näher herangeschlichen, erkenne ich, dass es sich wahrhaftig um einen Troll handeln muss. Groß und mit unbeweglicher Miene steht er direkt vor dem Gebüsch, in dem ich hocke.

Während ich mich noch ehrlich über meine Schleichkünste wundere (eine Kunst, die wir Menschen heutzutage nur noch mangelhaft beherrschen), fühle ich mich plötzlich beobachtet: Ein Blick über die Schulter gibt mir die Gewissheit, dass es mit meinen Schleichkünsten doch nicht so weit her ist. Ich sehe mich von Trollgestalten umringt.

Und da taucht auch ein riesiges Trollweib aus dem Nebel auf. Wie sich herausstellte, hieß sie Haugla und war die Mutter all dieser seltsamen Gestalten. Nach einem peinlichen Moment des Schweigens kam ich jedoch ganz gut mit ihr ins Gespräch und bald plauderten wir wie alte Freunde über Menschen und Trolle, über das miese Bergenser Wetter der letzten Tage und die zu erwartende Pilzernte.

Trollkinder spielen gerne, wie ich mitansehen durfte. Gerne machen sie sich einen Spaß daraus, ahnungslose Wanderer zu erschrecken oder ihnen Wurzelfallen in den Weg zu legen. Wer Kontakt zu Trollen sucht, sollte am besten mit ihrer Mutter ins Gespräch kommen und ein bisschen über Trollthemen plaudern. Hat bei mir jedenfalls bestens funktioniert.

Erinnerungsfoto mit Volker und Troll.

Am Schluss durfte ich einem ganz besonderen Ritual beiwohnen: dem Regenbann. Hierbei handelt es sich um eine Trollzauberei, die alle Regenwolken in dern Umgebung so einschüchtert, dass sie in Richtung Norden verschwinden und stattdessen Trondheim heimsuchen ;) Oft genug benutzen die Trolle ihn jedoch auch umgekehrt als Regensang, wenn sie sich wieder einmal über die Menschen geärgert haben und es ihnen heimzahlen wollen, oder wenn sie Angst haben, dass ein trockener Sommer ihre Pilzernte gefährdet. Wie man auf dem Bild sieht, durfte ich sogar mitzaubern!

Danach hieß es Abschied nehmen. Dichter Tau fiel auf Baum und Blatt, als wir uns aufmachten und den Trollwald in Stille und Ehrfurcht verließen.

Auf dem Rückweg genügte ein Blick in den Himmel, um sich von der Wirksamkeit des Regenbanns zu überzeugen: die Wolken schienen wie weggezaubert und waren wohl schon gen Trondheim geflohen. Einige Nachzügler sahen wir aber noch, manche zeigten wundersame Formen, wie diese hier, in der ich einen Vogel sah.

Wunderschöner Sonnenuntergang, beobachtet von unserer Lieblingsbank oberhalb unseres Wohnheims. Danke, liebe Trolle, für dieses schöne Wetter! (und sorry Trondheimer *gg*)
6 Kommentare:
:o)
Wunderschön :)
Ey wenn ich eure Trolle erwische nä???
Samma, sprechen die eigentlich Norrønt??? Das lern ich ja jetzt wie Sau, da kann ich denen ja mal ordentlich die Meinung ... ähm ... schreiben, jawohl! Ich häng mal die Tage ein paar Runensteine an die Bürger-Bestraf-Wolken, die sollten dann ja ankommen...
Herzliche Grüße aus einem nur mittelregnerischen Trondheim!
Die Wolke sieht aus wie ein Phönix, der gerade etwas auf dem Boden gesehen hat und darauf zu fliegt. Hast du ein Glück, dass er dich nicht gesehen hat...! :o)
Vielleicht... in meiner Fantasie sehe ich einen buntgefiederten Vogel, weniger gefährlich aber mindestens abenso schön ;)
Buntgefiedert ist mein Phönix auch. Gelb und rot mit einem bisschen grün. ^^
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