Mittwoch, 15. August 2007

Ja, vi elskjer Bergen!

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diese Aussage vor meiner Reise gehört habe, aber so ziemlich jeder Mensch, der schon irgendwann einmal etwas von Bergen gehört hatte und mit dem ich sprach, schien mir unbedingt und überhaupt erst einmal sagen zu müssen, dass es in Bergen eigentlich nur und ständig regne, und ob ich mir denn sicher wäre, da wirklich hin zu wollen, die Stadt sei ganz schön, aber der Regen... nun, die ersten Tage in Bergen waren der komplette Widerspruch zu diesem Statement: es war sonnig, beinahe wolkenlos und so heiß, dass ich beim Bergwandern einen deftigen Sonnebrand bekam (immerhin der erste richtige Sonnenbrand dieses Jahr für mich).

Bevor ich euch von unserer tollen Bergtour am ersten Tag berichte, seien für all diejenigen, die über Bergen nicht ganz so viel wissen, ein paar grundlegende Dinge gesagt: Bergen liegt an der norwegischen Westküste, etwa auf der Höhe von Oslo und Nordschottland, und wird von sieben malerischen Bergen umrahmt (im Grunde genommen wurde die Stadt auf die einzige mehr oder weniger ebene Stelle in jener Gegend gebaut, hat sich aber mittlerweile bis auf die unteren Hänge des Løvstakken, Ulriken und des Fløyen ausgedehnt). Gegründet wurde die Stadt im Mittelalter von Hansekaufleuten und war dementsprechend immer schon auf Handel und Seefahrt ausgerichtet. Die alten bunten Holzhäuser am Hafen zeugen auch heute noch von der Hansevergangenheit der Stadt (Fotos folgen). Die lange Präsenz niederdeutscher Handelsleute und Menschen vieler anderer Nationen hat Bergen im Laufe der Zeit ein recht unabhängiges Selbsverständnis eingehaucht, und so sagen die Bergenser durchaus schon einmal, dass sie nicht aus Norwegen seien, sondern aus Bergen. Meine persönliche Theorie ist, dass sich aus diesen Gründen auch der hiesige Dialekt in bestimmten markanten Merkmalen von anderen norwegischen Dialekten unterscheidet und sich insgesamt ein klein wenig deutscher anhört als das "Restnorwegische" (ich höre an dieser Stelle lieber mit linguistischen Theorien auf, das interessiert euch wohl eher weniger :-)

Unser Wohnheim liegt etwas weiter oben am Hang des höchsten der sieben Berge, dem Ulriken (immerhin mit 643m eine echte Herausforderung für einen Emsländer *g*), genauer gesagt am Wendeplatz ganz am Ende der steilen Straße, und hinter eben jenem Wendeplaz beginnt ein Wanderpfad, der direkt (also mehr oder weniger) bis hinauf auf den Gipfel und das dahinterliegende Hochland führt. Und den haben wir gleich am ersten Tag bestiegen :-)

Die ersten Bilder zeigen die Aussicht etwa von der Höhe unseres Wohnheims, dann den Beginn des Wanderweges (der zuerst noch großzügig geteert daherkommt) und die Aussicht von der ersten Raststelle nur einige hundert Meter von unserem Wohnheim entfernt.





Noch ganz am Anfang unserer Kraxelei und ob des tollen Wetters und der genialen Aussicht ganz hingerissen. Auf dem nächsten Bild könnt ihr erkennen, dass der Weg nicht ganz so bequem blieb, sondern sich bald in den Bergwald hineinschlängelte und überaus steil und steinig wurde. Stellenweise schien es, als würden wir eher durch ein ausgetrocknetes Bett eines felsigen und findlingsübersäten Bergbaches wandern, als über einen Weg, und hier und da rannen tatsächlich feine Rinnsale zwischen den Steinen hinab. Wie ich später sehen sollte, verwandeln sich diese "Wege" im typischen Bergenser Regentag in Rinnen für wasserfallartige Wasserkaskaden.





Ein Blick hinab: immer wieder finden sich im Unterholz kleine Bächlein und Rinnsale, die den Weg kreuzen oder ihn für eine Weile begleiten.



...und ein Blick hinauf: unser Tagesziel vor unglaublich blauem Bergenser Sommerhimmel, der Gipfel des Ulriken (auch bekannt als "unser Berg" ;-).





An dieser Stelle veränderte sich der steinige Pfad in eine endlose Folge gewaltiger steinerner Trittplatten, die sich immer steiler den Berg hinaufzogen. Wo ein freier Blick nach unten möglich war, zeichnete sich die Stadt zunehmen in immer größerer Tiefe ab. Total genial!




Der Blick auf das Hinterland und die von vielen Inseln durchzogenen Seen vor der Küste.





Und dann hatten wir irgendwann den Bergrücken erreicht und standen tatsächlich ganz oben. Der Rundblick von dort ist einfach überwältigend schön, auch wenn wir uns zunächst etwas ausruhen mussten, bevor die Szenerie wirklich genießen konnten *g* Das Panoramabild (eine Stitchaufnahme, die aus fünf Bildern besteht) könnt ihr noch etwas größer sehen, indem ihr es anklickt. Es mag euch eine Ahnung davon geben, wie beeindruckend das Ganze aussah. Der erste der gegenüberliegenden Berge ist übrigens der Løvstakken, der auch das Ziel unseres geplanten Samstagsaufstiegs ist ;-)






Was wir vorher nur geahnt hatten: Hinter dem Ulriken erstreckte sich tatsächlich ein weites, bergiges Hochland, das von kleineren, tiefblauen Seen gesprenkelt war und auf dem man abseits der Pfade schonmal in äußerst schwammigen Moorboden treten und sich nasse Füße holen konnte. Wir wanderten noch einige Zeit durch die Hangweiten, sahen und hörten wiederholt glockenbehangene norwegische Schafe (Prädikat: wollig und putzig) und schafften es bis auf einen Gipfel, von dem aus man einen tollen Ausblick in ein tiefes Tal hatte. Anschließend kehrten wir um, da wir ziemlich fertig waren und den Abstieg ja auch noch schaffen mussten (wurde schwierig genug *g*).






Der Rückweg hinab, diesmal einem anderen Weg folgend. Weiter abwärts entdeckten wir kleine kristallklare Bergbächlein, in denen wir unsere Wasserflasche wieder auffüllen konnten. Schmeckte ein bisschen torfig, aber war dafür schön kühl und natürlich echt norwegisch ;)



Als kleines Fazit sei übrigens noch hinterhergeschoben, dass wir von dem Tag an bis etwa gestern Dauerschmerzen und Muskelkater an so ziemlich jeder Stelle in Bein und Fuß hatten. Erschwerend kommt hinzu, dass Gerda und ich bis jetzt zu knauserig waren, um uns ein Monatsbusticket zu kaufen, so dass wir jeden Tag ein oder zweimal in die Uni laufen, was eine dreiviertel Stunde hinab und etwas mehr als eine Stunde hinauf dauert. Uff *g* (fühlt sich aber nach dem Duschen gut an!)

5 Kommentare:

Kat hat gesagt…

Huhu,

Gohohoooooooott, ist das schööööööööööööööööööööööön da!!!! Da würde ich mich am liebsten jetzt gleich in den Flieger setzen und rüberkommen - natürlich auch wegen Dir *g* *knuddel*! Laß´ es Dir gut gehen, da oben!!!!!!! Gaaaaaanz viel Spaß wünscht Katinka!

Anonym hat gesagt…

Hmmm, ich glaube, ich war gestern müdigkeits- und übelkeitsgeplagt von deinen Fotos etwas zu unbegeistert. ;o)
Aber in Wirklichkeit kann ich es kaum erwarten, die tolle Landschaft und die Stadt (okay, und ein bisschen auch dich ;o) in geschätzten 3,8 Wochen endlich auch selbst zu sehen! Ich freu mich schon wie verrückt!

Geburtstagsschatzsuchegeschenkschenker hat gesagt…

Bei uns isses mit dem Busticket genauso (-; Aber nach ner Weile bekommt man keinen Muskelkater mehr, versprochen!

frøken resi hat gesagt…

und außerdem ist das laufen doch ganz toll, da sieht man viel mehr von stadt und leuten und gegend und und und!
wartet mal ab, die lässt uns gar nicht mehr los, die ganze wanderei...

bildene dine er forresten kjempeflotte! eg tror nesten det trengs en liten konkurranse: ka er penere, bergen eller trondheim? synes du ikkje det? men antagelig er de uansett like fine!
;)

Volker hat gesagt…

En konkurranse? Korfor ikkje det? Men eg veit at vi har det penere her i Bergen ;)
Det skal berre gjelde bild fra byen sjølv eller fra ein omkrets av flere miler, ikkje sant? Så gjer vi det.