Und doch hat selbst die letzte Einöde in Norwegen ihren ganz eigenen Charme: Neben der Straße öffnete sich nämlich eine ausgesprochen hübsche und stille Bucht, in der friedlich einige Boote in den glucksenden Wellen schaukelten.

Ein Weg durch Eidesjøen lässt erkennen, wer die wahren Einwohner sind: Schafe und diese eigenartigen Enten/ Gänse was auch immer.

Ein Umstand, der das Wandern auf den Inseln zu einer nicht ganz so angenehmen Sachen macht, ist der, dass die Straßen über keinen Fußweg verfügen, so dass man gezwungen ist, auf der Straße selbst zu laufen, wenn man vorwärts kommen will (vergesst das Umland: steile Felsen mit dichtem Unterholz und Gestrüpp). Wir sind einige Zeit der Straße gefolgt (Norweger rasen mitunter wie Sau, und wenn man die überlebt, überrollen einen womöglich dicke deutsche Wohnmobile), haben dann aber einen ruhigen Seitenweg eingeschlagen, der nach Spilde führte.

Spilde, man mag es kaum glauben, stellte sich als noch kleiner heraus, als es Eidesjøen war. Und dennoch war der Weg dahin sehr nett und als wir am linken Wegesrand einen Pfad hinauf ins Unterholz erspähten, folgten wir ihm kurz entschlossen, um womöglich über das hügelige Umland doch noch zur Küste zu finden. Was soll ich sagen? Wir traten durch diese alte Holzpforte mitten hinein in eine andere Welt, voller Sonnenschein, blühender Heide, meerblauem Himmel und überall großen steinigen Felsrücken. Aber schaut selbst:




Irgendwann hatte die Endlosigkeit aber doch ihr Ende, und zwar in Form langer verrosteter Schafzäune, die uns den weiteren Weg ins Hinterland und damit zur Küste versperrt haben. So haben wir dann nach einer zünftigen Vesper auf einem kleinen Felsplateau unsere sieben Sachen gepackt und sind zur Straße nach Spilde zurückgekehrt. Nach einigen hundert Metern erreichten wir die ersten Häuser (riesige Büsche voller Johannisbeeren, die weder von Menschen noch von Vögeln geernte wurden) und nach einem kurzen Gespräch mit einem netten Einheimischen stellte sich heraus, dass der Weg nur bis an den nächsten See führt und nicht ans Meer. Wir haben uns dann entschlossen, den Weg trotzdem weiter zu gehen und den See zu erkunden, und das war eine sehr gute Entscheidung, denn es war ein sehr hübscher und sehr blauer See, inmitten von Felswänden und bewaldeten Hügeln und gesprenkelt mit einigen kleinen Felseninselchen, die ausschauten wie steinerne Fische, deren Rücken mit Kiefern und Birken bewachsen waren. Ein lauschiger kleiner Weg führte an einigen Hütten und Booten hinab ans Wasser...


...und wenig später mitten hinein in einen kleinen Talkessel, in dem hohe und dichte Sommerwiesen wuchsen. Wir liefen mitten in den Sommer hinein und verloren uns im hohen Gras, in den Sonnenstrahlen, unter grün flimmernden Baumkronen. Vielleicht wird das für immer mein Inbegriff von Sommer sein, dieses kleine Tal...


Nach einer kurzen und sehr steilen Kletterei gelangten wir an eine niedrige steinige Stelle, wo man doch tatsächlich seine Füße ins Wasser tauchen konnte...



Haben wir dann auch gemacht, allerdings nur sehr kurz, was an zwei Dingen lag: 1. war dieser unglaublich blaue See ein Trinkwassersee, in dem Baden verboten war, und 2. kamen seltsame kleine Viecher angeflogen, die sich in Scharen auf die nackte Haut setzen und... ja, irgendeinen Vorgang zwischen beißen und stechen ausführten, der jedenfalls im Endeffekt zu schmerzhaften roten Punkten auf der Haut führte. Wirklich fies, diese kleinen Blutsauger!

Zurück im Sommertal fanden wir einen kleinen Pfad, der wiederum ins Hochland führte. Ihr ahnt sicher schon, was wir gemacht haben..? ;-)


An einigen Stellen in rauen Mengen zu finden: saftigsüße Blaubeeren. Wir stopften uns die Bäuche voll! Übrigens sind Blaubeerbüsche ganz gemeine Geschöpfe, sie wachsen nämlich bevorzugt an jenen Stellen, die nur so aussehen, als ob man da stehen könne. Sobald der hungrige Wanderer aber zwischen den Pflanzen steht und die Hände nach den verlockenden Beeren ausstreckt, bemerkt er, wie der Boden langsam nachgiebt und er nach und nach mehr im Wasser steht, als auf festem Grund. Moor halt. Tja, aber wozu gibts wasserdichte Schuhe? Wie gesagt, wir schlugen uns ungerührt die Bäuche voll *g*


An diesem See fanden wir oberhalb des Ufers einen großen Findling, auf dem man wunderbar dösen und rumliegen konnte. Tat Gerda dann auch, während ich mich aufmachte und ins Nachbartal hinabstieg, um unsere Wasserflasche aufzufüllen.



Diese kleine Brücke war der Endpunkt meiner Wanderung an diesem Tag. Ein kleiner Strom durchquerte dort die Felshänge und führte klares, funkelndes Quellwasser mit sich und selbiges schmeckte einfach göttlich. Kühl und erfrischend. An dieser Stelle sei übrigens einmal erwähnt, dass es ein absolut tolles Gefühl ist, wenn man ohne Bedenken an einem Bach haltmachen und frisches Gebirgswasser trinken kann. An solchen Momenten kommt einem der Gedanke, in Plastikflaschen abgefülltes Industriewasser zu kaufen, unglaublich absurd vor... überhaupt ist so ein Tag in der Natur ein Entfacher neuer Gedanken über unsere Zivilisation und ihre sogenannten Errungenschaften! (Note to self: bei Gelegenheit nochmal weiterdenken...interessant!)


Anschließend drehten wir um und kehrten zu unserer Bushaltestelle zurück, da wir uns abends noch mit ein paar Freunden bei uns zum Sonnenuntergang gucken und kochen treffen wollten. So ging es etwa gegen 17.30 Uhr mit dem Bus über die Inseln zurück nach Bergen, was in sehr kurzer Zeit eine Art Zeitraffer vom Jäger und Sammler zum Großstadtmenschen bedeutet ;)

Claudia präsentiert hier stellvertretend für uns alle unseren Schatz, das Bier (überaus kostbar und ständiges Objektr allgemeiner Begierde). Anschließend schauten wir versonnen in die untergehende Sonne und machten uns schließlich auf den Weg in meine Küche, wo wir ein leckeres Abendessen zubereiteten, es gab nämlich echte französische Crêpes von einer echten französischen Crêpesmeisterin *mjam mjam*



Voilà, Maitress Anne-Sophie, die uns mit leckersten Crêpes beglückte. Merci bien!
3 Kommentare:
Oh, jetzt habe ich ein Problem... Ich weiß ja gar nicht, ob ich ans Meer oder dahin will, wenn ich dich besuchen komme!
eg vil også ha fine franske krepper! eg vil, eg vil, eg vil!
men bildene dine er virkelig fantastiske! da får jeg faktisk lyst til å komme på besøk en gang...
men skal dokker egentlig ikke på skola en gang imelomm?
ups...det var jeg,unnskyld
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